Märchenpädagogik

Rezension

Buch: Steffen Martus: Die Brüder Grimm. Eine Biografie (2009/2013)

Die Brüder Grimm
Ausstattung: Taschenbuch, 608 Seiten mit einem 12seitigen Bildteil.

Inhalt: Eine Doppelbiografie über Jacob und Wilhelm Grimm und ihre Zeit.

Kurzbewertung: Eine hervorragend recherchierte Biografie, die sehr ausführlich und anschaulich geschrieben ist. Sie hat einige Längen, gibt aber einen guten Überblick über das Wirken der Grimms und ihre Zeit und macht deutlich, dass die „Kinder- und Hausmärchen“ nur einen Aspekt ihres Schaffens ausmachten.

Rezension
Der Germanistikprofessor Steffen Martus erzählt das Leben der beiden Grimmbrüder in sieben ausführlichen Kapiteln. Er beginnt mit Kindheitsszenen in Hanau, dann folgen die Stationen in Steinau und Kassel, es geht weiter nach Göttingen und es endet schließlich in Berlin. Deutlich wird, dass die beiden Brüder sich vor allem durch zwei Dinge auszeichnen: Erstens war ihr Leben, Forschen und Wirken immer aufs Engste miteinander verknüpft. Das erklärt auch, warum es keine Einzelbiografien über Jacob oder Wilhelm gibt, sondern immer beide abgehandelt werden. Zweitens waren sie, und das gilt besonders für den Junggesellen Jacob, offensichtlich absolute „Workaholics“, die ihr ganzes Leben der Forschung verschrieben haben. Sie zählen als „Gründungsväter der modernen Germanistik“, weshalb ihnen noch immer die höchste Anerkennung zuteil wird.
Wer sich vor allem für die Märchensammeltätigkeit der Grimms interessiert, der wird lediglich in Teilkapiteln des vierten Kapitels bedient und muss sich mit gerade mal 20 Seiten begnügen. Dieser Abschnitt ist zwar informativ und lesenswert, doch leider etwas knapp. Der Märchenkenner erfährt hier auch nicht viel Neues zur Sammel- und Redaktionstätigkeit der „Kinder- und Hausmärchen“, was man nicht zum Beispiel auch bei Rölleke nachlesen könnte. Doch ist dies natürlich auch nicht der Anspruch dieses Buches. Vielmehr zeigt sich dadurch, dass die Grimms, die heute v.a. mit Märchen assoziiert werden, ein sehr vielfältiges Schaffen vorzuweisen haben, und die Märchen nicht unbedingt im Zentrum ihrer Arbeit standen. Ihr Interesse galt generell der alten Literatur, der Grammatik und vor allem dem Deutschen Wörterbuch.
Der Vorzug dieser Grimm-Biografie ist, dass sie wissenschaftlich fundiert und mit nachvollziehbaren Belegen ausgestattet ist, aber trotzdem in ihrem Stil nicht trocken, sondern sehr anschaulich und verständlich geschrieben ist. Wer ausführlich etwas über das Leben der beiden Brüder Grimm Jacob und Wilhelm erfahren will, für den ist dieses Buch perfekt. Wer einen knapperen Überblick möchte, der kann besser auf die mittlerweile vergriffene Rowohltbiografie von Hermann Gerstner zurückgreifen. Diese ist antiquarisch noch immer günstig zu haben.


Alle Rezensionen auf einen Blick

  • Buch: Osuji, Wilma: Die 50 besten Märchenspiele (2015)

  • Buch: Behnke, Andrea: Oma war eine Seeräuberin (2014)

  • Buch: Der Märchenbrunnen. 12 Märchen der Brüder Grimm (2014)

  • Buch: Anderski, Christa: Wundersame Märchen 1 (2014)

  • Buch: Schieder, Brigitta: Erzähl mir doch ein Märchen. 60 wertvolle Märchen für Kita und Grundschule. 2. Aufl. (2014)

  • Buch: Christian Peitz: Kindheit - Heldenzeit (2014)

  • Buch: Flöthmann, Frank: Grimms Märchen ohne Worte. 3. Aufl. (2013)

  • CD: Christian Peitz: Rumpelstilzchen schlägt zurück. (2013)

  • Angelika B. Hirsch: Stroh zu Gold spinnen. Rumpelstilzchens Sitz im Leben. (2013)

  • BluRay: Sechs auf einen Streich: König Drosselbart, Frau Holle, Der gestiefelte Kater. (2013)

  • Buch: Günter Lange (Hrsg.): Märchen – Märchenforschung – Märchendidaktik. 3. Aufl. (2012)

  • Buch: Christian Peitz: Märchen für die Bühne. Stücke und Ideen für viele Anlässe. (2012)

  • Buch: Steffen Martus: Die Brüder Grimm. Eine Biografie (2009/2013)

  • Buch: Michael Sahr: Zeit für Märchen. Kreativer und medienorientierter Umgang mit einer epischen Kurzform. 2. Aufl. (2007)

  • Buch: Ute Fenske (Hrsg.): Rund um Märchen. Kopiervorlagen für den Deutschunterricht. 1. Aufl. (2006)

  • Buch: Erich Kästner: Der gestiefelte Kater (1950/2001)