Märchenpädagogik

Rezension

Buch: Anderski, Christa: Wundersame Märchen 1 (2014)

Anderski
Ausstattung: Paperback (s/w) 284 Seiten.

Inhalt: Christa Anderski hat eine ganze Reihe von Märchenbüchern vorgelegt unter dem Titel „Wundersame Märchen“. Der erste Band steht hier im Mittelpunkt. Dieser enthält 41 von der Autorin selbst verfasste Märchen neben einem kurzen Vorwort und einem Epilog.

Kurzbewertung: Wer neue „alte“ Märchen will, für den kann das Buch interessant sein, weniger für den, der neue oder alte Märchen lesen möchte.

Rezension
Die Autorin stellt zu Beginn dar, was Märchen für sie bedeuten: Für sie seien es „wundersame Begebenheiten“ mit „Verwandlungen und Verzauberungen“, sie seien „Spiegel innerseelischer Prozesse“, „Bewahrer uralter Weisheiten“ mit „heilenden Botschaften“ und „inneren Wahrheiten“.

Wie man diese Märchenschätze heben kann, bleibt freilich jedem selbst überlassen – oder man bedient sich der mittlerweile zahlreich vorhandenen Anleitungen, wie z.B. Erich Fromms „Märchen, Mythen, Träume“, Bruno Bettelheims „Kinder brauchen Märchen“ oder den konkretisierten Interpretationsvorschlägen von Eugen Drewermann oder Verena Kast.

Anderski geht einen anderen, einen ganz persönlichen Weg: Sie schafft sich eigene Märchenstoffe: Schreiben als Selbsttherapie, als Zeitvertreib oder gar als Lebensglück. Herausgekommen sind neue alte Märchen: Märchen in einer altertümlich anmutenden Sprache: „Vor vielen tausend Jahren gab es ein Dorf, in dem Finsternis herrschte“ (S. 13); Märchen mit den altbekannten stereotypen Figuren: „Die Gänsemagd“ (S. 101), „Der Teufel und die Prinzessinen“ (S. 247); Märchen mit einem klaren, linear erzählten Handlungsgerüst, in denen zwar selten Überraschendes passiert, die aber dennoch zum Nachdenken, Abwandeln und Fantasieren einladen.

Die Märchenschreibliebe der 1945 geborenen Autorin hat sich nach eigenen Angaben erst spät entwickelt – mit über 50 Jahren. Ihre eigene literarische Reise führte sie zurück zu den Texten ihrer Kindheit, und mit ihren eigenen Texten erfreut sie sicherlich heute nicht nur ihre eigenen Enkel. Und so schließt ihr Buch mit dem Wunsch: „Mögen Märchen auch in unserer digitalen Zeit nicht verloren gehen und die Sensibilität für ihren Symbolgehalt bewahrt bleiben.“ Dem ist grundsätzlich nur zuzustimmen, dennoch seien gerade im Hinblick auf diesen Wunsch zwei kritische Anmerkungen erlaubt:

Erstens: Dem Buch hätte ein Lektorat gut getan – es gibt zahlreiche stilistische Fehler und Ungenauigkeiten sowie eine bisweilen „kreative“ Zeichensetzung.

Zweitens: Gerade dem letztgenannten Wunsch entspricht das Buch selbst als „Buch“ in keiner Weise: Es ist handelt sich um ein digital gedrucktes Amazon Distribution Paperback, auf dem Pappdeckel ist ein verpixelter Buchdeckel eines um 1890 handgefertigten Buches, darüber in orangener Fraktur der Buchtitel.

Fazit: Dieses Buch kann man mögen, man mag es sich aber nicht in seine Märchensammlung zu den Grimms, Bechstein, Hauff oder den anderen Märchen der Weltliteratur stellen.


Alle Rezensionen auf einen Blick

  • Buch: Osuji, Wilma: Die 50 besten Märchenspiele (2015)

  • Buch: Behnke, Andrea: Oma war eine Seeräuberin (2014)

  • Buch: Der Märchenbrunnen. 12 Märchen der Brüder Grimm (2014)

  • Buch: Anderski, Christa: Wundersame Märchen 1 (2014)

  • Buch: Schieder, Brigitta: Erzähl mir doch ein Märchen. 60 wertvolle Märchen für Kita und Grundschule. 2. Aufl. (2014)

  • Buch: Christian Peitz: Kindheit - Heldenzeit (2014)

  • Buch: Flöthmann, Frank: Grimms Märchen ohne Worte. 3. Aufl. (2013)

  • CD: Christian Peitz: Rumpelstilzchen schlägt zurück. (2013)

  • Angelika B. Hirsch: Stroh zu Gold spinnen. Rumpelstilzchens Sitz im Leben. (2013)

  • BluRay: Sechs auf einen Streich: König Drosselbart, Frau Holle, Der gestiefelte Kater. (2013)

  • Buch: Günter Lange (Hrsg.): Märchen – Märchenforschung – Märchendidaktik. 3. Aufl. (2012)

  • Buch: Christian Peitz: Märchen für die Bühne. Stücke und Ideen für viele Anlässe. (2012)

  • Buch: Steffen Martus: Die Brüder Grimm. Eine Biografie (2009/2013)

  • Buch: Michael Sahr: Zeit für Märchen. Kreativer und medienorientierter Umgang mit einer epischen Kurzform. 2. Aufl. (2007)

  • Buch: Ute Fenske (Hrsg.): Rund um Märchen. Kopiervorlagen für den Deutschunterricht. 1. Aufl. (2006)

  • Buch: Erich Kästner: Der gestiefelte Kater (1950/2001)